Bericht dolomitenstadt.at vom 5. Feber 2016

„Demokratie versus Alleinherrschaft“ als Mantra der Opposition.

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Zum erwarteten Bürgeraufmarsch gegen die Macht des Matreier „Alleinherrschers“ Andreas Köll wurde am 4. Februar die Präsentation der Matreier Liste im Kessler Stadl, der bis auf den letzten Platz mit 34 Listenmitgliedern und Sympathisanten gefüllt war. Wenig überraschend wird der Tierarzt und Hotelier Bernd Hradecky die Opposition in den Wahlkampf führen. Er kandidiert auch als Bürgermeister und hat auf den vorderen Rängen durchwegs kampferprobte Mitstreiterinnen und Mitstreiter der letzten sechs Jahre an seiner Seite.

Regina Köll, die in der vergangenen Periode ausreichend Vorzugsstimmen für ein Direktmandat gesammelt hatte, rangiert auf Platz 2, hinter ihr folgt Hafnermeister Johann Niederegger auf Platz 3, er ist auch Obmann der Kaufleute-Gemeinschaft Matrei Markt. Vierte ist die Hausfrau Traudl Staller-Mattersberger. Listenplatz 5 belegt die Bilanzbuchhalterin Maria Niederegger, Sechster ist Ortsbauernobmann Christoph Köll, gefolgt von der Lehrerin Sissy Raneburger und dem Bauer, Zimmerer und Agrargemeinschaftobmann Stephan Köll.

Im Wahlkampffolder der Liste (unten zum Download) findet man alle Kandidatinnen und Kandidaten. Symbolik hat die Kandidatur von Melitta Steiner auf dem 34. Listenplatz. Vor sechs Jahren hatte ihr Ehemann, der TAL-Manager Oswald Steiner erstmals mit einer realistischen Chance an der seit 40 Jahren in Matrei regierenden Köll-Dynastie gekratzt. Steiner schlug sich mit fast 43% bei der Bürgermeisterwahl wacker, seine Liste eroberte acht von 17 Gemeinderatsmandaten. Im November 2013 verunglückte Steiner auf der Felbertauernstraße bei der Heimfahrt von einem Geschäftstermin.

Bernd Hradecky tritt in Steiners Fußstapfen kein leichtes Erbe an, die Latte für die Gemeinderatswahlen 2016 liegt hoch. Dennoch lässt der Tierarzt keine Zweifel aufkommen, dass er mit seinem Team nicht nur das strategisch wichtige neunte Mandat, sondern auch den Sessel des Bürgermeisters ins Visier nimmt. In der als Gemeinschaftsevent inszenierten Auftaktveranstaltung wurde dann auch das Mantra der Matreier Opposition in praktisch allen KandidatInnen-Statements wiederholt: „Offene, demokratische Teamkultur versus uneingeschränkte Macht eines Einzelnen.“

Thematisch wurde der riesige, wenngleich „ausgelagerte“ Schuldenberg der Gemeinde nur gestreift, man bemühte sich um positive Themensetzung und eine breite Palette „praktikabler Vorschläge“ zur Verbesserung der Lebensqualität in der Tauerngemeinde, vom eigenen Ruftaxi über finanzielle Entlastung der privaten Güterweg-Erhalter bis zum Gehsteig für Schüler in der Lienzer Straße.

Dem Langzeitbürgermeister wirft die Opposition neben ungebremsten Machtallüren vor allem finanziellen Realitätsverlust vor. Regina Köll sprach es aus: „Wenn der Bürgermeister jetzt mit einem fünf Millionen teuren Kulturzentrum wirbt, dann ist das an der Grenze zur Wählertäuschung. Die Matreier Kassen sind leer.“ Zur Sanierung dieser leeren Kassen benötige man Hilfe von außen, unterstrich Bernd Hradecky. „Und diese Hilfe wurde uns in Innsbruck auch zugesagt, von ganz oben.“

Der Oppositionsführer spielte auf das nicht erst seit Natura 2000 angespannte Verhältnis des Matreier Bürgermeisters zur Tiroler Landesregierung und diversen regionalen Institutionen an. „Wir werden links und rechts überholt, von Kals, von Virgen. Deshalb müssen wir rasch und gut mit allen zusammenarbeiten, mit der Landesregierung, den Vordenkern, dem RMO und der Bezirkshauptmannschaft.“

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